Compamed 2026 Wo medizinische Innovation beginnt

Von Timo Roth, Redaktion COMPAMED.de 6 min Lesedauer

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Medizinische Innovation beginnt lange vor der klinischen Anwendung: bei neuen Materialien, Komponenten und Sensoren, in Elektronik und Mikrotechnik oder bei innovativen Fertigungsverfahren. Genau diese technologische Basis der Medizintechnik rückt die Compamed 2026 vom 16. bis 19. November in Düsseldorf (D) in den Mittelpunkt. Mehr als 700 ausstellende Unternehmen präsentieren in den Hallen 8a und 8b Technologien, Produkte und Dienstleistungen für die Entwicklung und Herstellung moderner Medizinprodukte.

Die Compamed fokussiert Materialien, Komponenten, Technologien und Dienstleistungen für die Entwicklung und Herstellung von Medizinprodukten.(Bild:  Constanze Tillmann)
Die Compamed fokussiert Materialien, Komponenten, Technologien und Dienstleistungen für die Entwicklung und Herstellung von Medizinprodukten.
(Bild: Constanze Tillmann)

Im Zuge der strategischen Weiterentwicklung von Medica und Compamed wird die Rolle beider Veranstaltungen innerhalb der MedTech-Wertschöpfungskette noch klarer profiliert. Die Compamed fokussiert Materialien, Komponenten, Technologien und Dienstleistungen für die Entwicklung und Herstellung von Medizinprodukten. Die Medica präsentiert medizinische Produkte, Systeme und Lösungen für den Einsatz in Klinik und Praxis. Gemeinsam reicht der Blick von der technologischen Entwicklung und Fertigung über Qualitätssicherung, Regulierung und Marktzugang bis zum konkreten Einsatz in der Versorgung.

«Die Compamed bringt die Unternehmen zusammen, die medizinische Innovation technisch möglich und industriell umsetzbar machen. Hier finden Medizinproduktehersteller spezialisierte Partner für Materialien, Komponenten, Entwicklung und Fertigung. Gemeinsam mit der Medica entsteht eine Verbindung von der technologischen Entwicklung bis zum Einsatz in Klinik und Praxis», erklärt Carmen Berger, Director Medica & Compamed der Messe Düsseldorf.

Für das Fachpublikum bedeutet das: kurze Wege zu spezialisierten Partnern, die Möglichkeit, technische Herausforderungen mit Experten zu diskutieren und neue Fertigungs-, Material- und Technologielösungen für die eigene Produktentwicklung kennenzulernen. Die enge Verbindung mit der Medica erweitert diese Perspektive um die konkrete Anwendung in der Versorgung.

Fünf Fokusthemen bündeln technologische Kompetenz

Die thematische Fokussierung der Compamed orientiert sich an fünf Schwerpunkten, die zentrale Entwicklungskompetenzen der MedTech-Zulieferindustrie abbilden: Mikro- und Nanotechnologie, Werkstoffe & funktionale Materialien, hochautomatisierte MedTech-Produktion, Secure Connectivity & Embedded Intelligence sowie Marktregulierung & Lieferketten.

Mikro- und Nanotechnologien ermöglichen immer kleinere Sensoren, minimal-invasive Instrumente, Implantate oder Systeme für den gezielten Transport von Wirkstoffen. Gleichzeitig gewinnen funktionale Materialien an Bedeutung – etwa für Implantate, regenerative Anwendungen oder Lösungen zur Infektionsprävention. Auch die Diskussion um mögliche Beschränkungen von PFAS, zu denen viele Fluorpolymere zählen, erhöht den Innovationsdruck auf Hersteller und Zulieferer.

Automatisierung adressiert zentrale Herausforderungen wie steigende Kosten, Fachkräftemangel und wachsende Dokumentationspflichten. Vernetzte Medizinprodukte stellen wiederum neue Anforderungen an Cybersicherheit und Embedded Intelligence. Hinzu kommen komplexe Zulassungsverfahren, Handelskonflikte und fragile Lieferketten. Damit wird die Fähigkeit, Produktion und Beschaffung resilient und international diversifiziert aufzustellen, zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.

Diese Themen spiegeln sich auch im Programm der beiden Compamed-Fachforen wider, die mitten im Ausstellungsgeschehen Raum für technologischen Austausch, Wissenstransfer und neue Kooperationen schaffen.

Von Mikrotechnologie zur industriellen Anwendung

Das «Compamed High-Tech Forum by IVAM» in Halle 8a widmet sich unter anderem Smart Sensor Solutions, Laser- und Photonik-Anwendungen sowie Mikrofluidik für Life Sciences, Medizin und industrielle Anwendungen. Ausgestaltet wird es vom IVAM-Fachverband für Mikrotechnik in Kooperation mit der Messe Düsseldorf.

Ein verbindendes Thema ist der Transfer technologischer Innovation in industrielle Prozesse. Tim Merforth, Managing Director des IVAM, erklärt dazu: «Dazu gehören Designtransfer, Fertigung, Automatisierung, Qualitätssicherung sowie der Zugang zu internationalen Märkten. Das Forum verbindet damit technologische Zukunftsthemen mit den praktischen Herausforderungen der Branche. Es bringt Forschung, spezialisierte Technologieunternehmen, Hersteller und internationale Netzwerke zusammen und schafft so die Voraussetzungen dafür, dass aus Innovationen konkrete medizinische Anwendungen werden.»

Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist diese Vernetzung relevant. Denn kaum ein Unternehmen kann den Weg von Forschung und Entwicklung über Industrialisierung und Regulierung bis zum internationalen Marktzugang allein abbilden.

Ein Beispiel für die stärkere Verzahnung von Compamed und Medica ist eine «Hands-on-Session» zur Mikrofluidik. Sie findet wie in den Vorjahren auf der Compamed statt und wird 2026 zusätzlich in fachlich angepasster Form auf der Medica angeboten. Komponenten- und Verfahrensanbieter treffen dadurch gezielter auf Gerätehersteller und Anwender.

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Technologien im Anwendungskontext

Rund 50 Mitgliedsunternehmen präsentieren sich auf dem IVAM-Gemeinschaftsstand in Halle 8a. Merforth gibt dazu einen Ausblick: «Besucherinnen und Besucher finden damit Ansprechpartner für nahezu alle Stationen der medizintechnischen Wertschöpfungskette: vom Werkstoff und der einzelnen Komponente über Entwicklung und Prototyping bis zur skalierbaren, regulierungskonformen Produktion.»

Neu sind 2026 die vom Gemeinschaftsstand ausgehenden Technical Tours. Sie führen Interessierte gezielt zu Technologien und Ausstellern, die entlang konkreter medizinischer Anwendungen relevant sind und zeigen kompakt, wie Mikrotechnologien Innovationen ermöglichen. «Damit entsteht eine attraktive Möglichkeit, passende Lösungen kennenzulernen und gezielt mit den Unternehmen ins Gespräch zu kommen», erklärt Merforth.

Transatlantische Kooperation trotz Handelsunsicherheiten

Internationale Zusammenarbeit bleibt ein weiterer Schwerpunkt. Das seit 2022 etablierte Format «Europe meets North America» bringt am Mittwoch, 18. November, Unternehmen und Netzwerke von beiden Seiten des Atlantiks zusammen.

Trotz handelspolitischer Unsicherheiten sieht Tim Merforth weiterhin eine starke technologische und wirtschaftliche Verbindung: «Wir erleben die transatlantische Zusammenarbeit in der Medizintechnik weiterhin als ausgesprochen lebendig. Europa und Nordamerika verfügen über komplementäre Kompetenzen und sind technologisch wie wirtschaftlich eng miteinander verbunden. Wir sind überzeugt, dass die Antwort auf handelspolitische Unsicherheit nicht weniger Austausch sein kann.»

Entscheidend seien belastbare Partnerschaften, ein besseres Verständnis der jeweiligen Märkte und die Bereitschaft, Entwicklung, Produktion und Regulierung frühzeitig gemeinsam zu denken. «Genau dafür schafft die Compamed eine wichtige internationale Plattform», so Merforth.

Ein Networking-Event im Anschluss an die Session schafft zusätzliche Gelegenheit für den direkten Austausch zwischen Ausstellern und Fachbesuchern.

Suppliers Forum by DeviceMed

Das «Compamed Suppliers Forum by DeviceMed» in Halle 8b richtet den Blick auf weitere zentrale Aufgaben der Zulieferindustrie. Die vier Messetage setzen folgende Schwerpunkte:

  • Montag, 16. November: Fertigung
    Neue Technologien wie 3D-Druck und gedruckte Elektronik ermöglichen innovative Strukturen und unterstützen die Entwicklung personalisierter Medizinprodukte. Gleichzeitig behalten etablierte Fertigungsverfahren wie Zerspanung und Spritzguss ihre hohe Bedeutung.
  • Dienstag, 17. November: Regulatory Affairs
    Die Medical Device Regulation (MDR) und die In Vitro Diagnostic Regulation (IVDR) bestimmen weiterhin wesentliche Rahmenbedingungen für Hersteller, Zulieferer und weitere Akteure der Medizintechnik.
  • Mittwoch, 18. November: Werkstoffe
    Materialinnovationen gehören zu den wichtigen Treibern der Medizintechnik. Im Blickpunkt stehen unter anderem Smart Materials sowie additive Fertigungsverfahren, die beispielsweise patientenindividuelle Implantate ermöglichen.
  • Donnerstag, 19. November: Künstliche Intelligenz
    Vernetzte Medizingeräte verarbeiten hochsensible Daten und sind häufig direkt mit Krankenhausnetzwerken oder Cloud-Systemen verbunden. KI und Cybersecurity müssen deshalb gemeinsam gedacht werden. Nur sichere und vor Manipulation geschützte Systeme können ihr Potenzial in medizinischen Anwendungen zuverlässig entfalten.

KI kann ebenfalls über den gesamten Lebenszyklus eines Medizinprodukts hinweg unterstützen: Bereits Fertigungsanlagen können heute mit KI überwacht werden, die aus Betriebsdaten heraus Abnutzung und mögliche Fehlfunktionen vorhersagen soll (Predictive Maintenance). Auch in der In-Line-Kontrolle während der Produktion kommt KI zum Einsatz: Moderne Bilderkennungsalgorithmen registrieren beispielsweise, wenn ein Werkstück oder eine Komponente beschädigt ist, sodass dieses Teil bereits früh aus der Produktion entnommen werden kann. Das ist für Hersteller billiger und effizienter als am Ende der Produktionsstrasse das fertige Produkt entsorgen zu müssen. Das «Compamed Suppliers Forum» lenkt ausserdem den Blick auf den Einsatz und die Grenzen von KI in der Post Market Surveillance (PMS).

Know-how entlang der Wertschöpfungskette

Die Vielfalt der Compamed wird auch durch namhafte Aussteller verdeutlicht. Unternehmen wie Harro Höfliger, Multivac, Nelipak Healthcare Packaging, Trelleborg Sealing Solutions, DuPont, Saint-Gobain, Evonik, SMC und Covestro stehen exemplarisch für Know-how von automatisierter Fertigung und Verpackung über Polymere und funktionale Materialien bis zu Robotik und Auftragsentwicklung.

(Constanze Tillmann)
(Constanze Tillmann)

Die Compamed 2026 zeigt damit nicht nur einzelne technologische Trends. Sie macht sichtbar, wie viele spezialisierte Kompetenzen zusammenwirken müssen, bevor aus einer Idee ein marktfähiges Medizinprodukt wird. Genau an diesen Schnittstellen entstehen neue Partnerschaften und die Voraussetzungen dafür, Innovation von der technologischen Entwicklung über die industrielle Skalierung bis in die medizinische Anwendung zu bringen.

Die Compamed 2026 findet vom 16. bis 19. November parallel zur Medica 2026 auf dem Messegelände in Düsseldorf statt.